Maximilian Schmitt
25 Seiten

Kommentar von P. Hürth zur apostolischen Konstitution "sacramentum ordinis" von Pius XII. Es ist anzufügen, daß P. Hürth, der den Spitznamen "Holy Ghostwriter" von Pius XI. und Pius XII. führte, diese gegenständliche Konstitution selbst geschrieben hatte, weswegen sein Kommentar allerhöchste Beachtung verdient. Im Hinblick auf die Behauptung von @Bethlehem 2014 , daß eine Chirothesie die physische Chirotonie ersetzen könne,- eine Ansicht die tatsächlich von verschieden Moraltheologen vertreten wurde, entschied das Heilige Officium grundsätzlich dagegen und votierte in jedem einzelnen von Hürth aufgeführten Fall dahingehend, daß der Ritus ex integro sub conditione in secreto zu wiederholen sei. Hürth entnahm seine Fallbespiele dem Band IV der Fontes des CIC1917. (Siehe Hürth, Kommentar, Seite 34)
Es folgt auf Seite 35 die Diskussion eines Falles aus dem Jahr 1776 unter Hinzuziehung von Pius VI. Er meinte zwar, daß im konkreten Falle, da der Konsekrator den Haaren auf Zentimeterlänge …Mehr

14104
Carlus

Siehe hierzu auch
Codicis iuris canonici fontes : Gasparri, Pietro, 1852-1934, ed : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive

Maximilian Schmitt

Entschuldigung, aber der Band IV der Quellen des CIC ist bereits oben in der Beschreibung verlinkt!

Maximilian Schmitt

@Oenipontanus

Maximilian Schmitt

@Oenipontanus @Bethlehem 2014 Wie kam es eigentlich dazu, daß viele Moraltheologen die Überreichung der Instrumente im Gegensatz zu den Dogmatikern als so wichtig angesehen hatte?
Vom Armenierdekret und seiner Vorgeschichte einmal abgesehen, kam es 1704 (oder Ende des Jahres 1703?) noch zu folgendem Vorfall, der durch ein Mißverständnis eine gewisse Voreingenommenheit der Moraltheologen hinsichtlich einer laxen Handhabung der Handauflegung verstärkte:
Als in Äthiopien ein Krieg gegen einen Einfall mohammedanischer Horden nach mehreren Jahren des Krieges glücklich abgewehrt worden war, konnte der "Abuna", der vom monophysitischen alexandrinischen Patriarchen nach Abessinien gesandte Weihbischof, seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Nach Jahren, da es keine Weihen mehr gegeben hatte, stand der Abuna vor einer Menge von tausenden von Männern und Jungen. Letztere werden in der monophysitischen Tewahedo-Kirche auch heute noch zu Diakonen geweiht. Der Abuna war verzweifelt und wußte nicht, wie er die alle weihen sollte. Es waren einige Engländer zugegen, die Zeuge dieses Schauspiels waren. Sie rieten ihm durch die Reihen zu gehen und nur "empfange den heiligen Geist" zu sagen, denn, so behaupteten sie, die Anglikaner und auch die römische Kirche würden so weihen, und so würde selbst der Papst in Rom diese Weihen als gültig ansehen müssen. Da es aber immer noch viel zu viele Kandidaten waren, legte er nur einigen die Hände auf, immer vier oder fünf Mann übergehend, wedelte nur mit der Hand in deren Richtung (hat sich bis heute nicht geändert), oder legte ihnen gar nur das Kreuz auf, was man auch heute noch auf Youtube beobachten kann. dabei wiederholte er ständig die Worte auf Koptisch, "enjee em pnevma ethowab - accipe Spiritum Sanctum".
Der Vorfall wurde dem apostolischen Vikar hinterbracht, der, weil ab und zu Konvertiten und auch abessinische Priester zu ihm kamen, wissen wollte, ob er sie neu Weihen müßte.
Ich kürze mal ab: Der Konsultator, Pater Damasceno, optierte tatsächlich für die Gültigkeit, allerdings nicht offiziell für das Heilige Offizium, sondern in einem Entwurf vom 14. Februar 1704, was aber umgehend von Clemens XI.in seiner Note "dilata ad mentem" kassiert wurde. Durch ein Mißverständnis übersah der berühmte Moraltheologe P. Antoine SJ den Rang der Option Damscenos und ebenfalls den Umstand der Kassierung durch Clemens XI. - Damscenos Entwurf fand also Eingang in den Anhang von P. Antoine's Traktat "de ordine" und wurde seit dem ohne gründliche Prüfung von weiteren namhaften Moraltheologen übernommen.
Es ist anzunehmen, daß Pius VI. in seiner laxen Bewertung eines Zweifelsfalles (siehe Hürth SJ) sich davon inspirieren ließ, dem aber die Propaganda nie folgte. Nach dem Akt Clemens XI. prüfte die Propaganda noch einmal den Vorfall und stellte fest (9. April 1704), daß Damasceno vorausgesetzt hatte, daß der vollständige Ritus angewendet worden war und nicht nur dieser aus dem Zusammenhang gerissene Akt unter tumultuarischen Umständen. "Aber", so fährt die "Vindication" als Antwort des englischen Episkopats an die Anglikaner zur Rechtfertigung der Bulle "Apostolicae Curae" von Leo XIII. weiter fort, "aus diesem Mißverständnis kann kein Argument für die Gültigkeit der anglkanischen Weihen konstruiert werden".
Der Vorfall wird vollständig in der "Vindication" in englischer Sprache erörtert (ab Seite 89). Der Irrtum von P. Antoine hatte zur Folge, daß fast 200 Jahre lang die Moraltheologen etwas anderes lehrten als die Dogmatiker. Auch Franzelin griff in seinem "Votum" den Vorfall auf. Die "Vindication" bezieht sich auch auf ihn. Da nun viele Moraltheolgen die Worte "empfange den heiligen Geist" als Form ansahen, mußten sie zur Unterscheidung der Weihestufen die Überreichung von Instrumenten hervorheben. Die Vorstellung, ein Abstand der Hand von bis zu einem Meter sei noch hinreichend, hat hier seinen Ursprung, da sie das Schwergewicht auf die Darreichung des Kelches oder anderer Dinge verlegten.

Bethlehem 2014

@Maximilian Schmitt Danke für Ihre umfangreichen Informationen. Da lag ich wohl offensichtlich falsch! - Ich bitte Sie um Entschuldigung wegen meiner Hartnäckigkeit, denn eigentlich hatte ich (noch) eine ganz gute Ausbildung in Dogmatik. - Mein Dogmatikdozent hatte da wohl den falschen Moraltheologen an der Hand. Will ich ihm nicht bös anrechnen.
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Was ich immer noch nicht verstehe: wenn es eine wirkliche physische Handauflegung sein muß: wieso trug der Weihebischof Handschuhe? wieso mußten die Haare des Weihekandidaten nicht geschoren werden? Gut: man trug noch Tonsur, aber die war bei Weltklerikern für gewöhnlich sehr klein und eher am Hinterkopf, die Hände aber legt der Weihebischof für gewöhnlich oben aufs Haupt. - Heute trägt keiner der (weltlichen) Weihekandidaten noch Tonsur.
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Bei der Beichte gab es früher ja auch eine Handauflegung; zumeist war es "nur" noch eine Erhebung der rechten Hand des Beichtvaters - und es war sogar noch ein Gitter dazwischen.
Ich könnte mir denken, daß eine Weihe insofern (noch) bis zu einem Meter als gültig angesehen wurde, weil bis zu diesem Abstand noch klar ist, auf wen sich die Worte beziehen, die der Weihebischof spricht. Manche Moraltheologen meinten auch, daß man einem Pönitenten bis zu einem Meter Abstand die Absolution erteilen dürfte - obwohl die Handauflegung natürlich nicht die Materie des Bußsakramentes ist.
Ich denke aber, es hat schon Lossprechungen gegeben, die ich nicht als ungültig wissen will, bei denen Pönitent und Beichtvater noch weiter entfernt waren, als bloß einen Meter, etwa in der Französischen Revolution, wenn einer zum Schafott geführt wurde und ein unerkannter Priester in der Menge ihm die Absolution erteilte.
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zu Ihrer Frage:
Man dachte wohl wegen der begleitenden Worte bei der Gefäßübergabe, diese sei die Materie. Ich kann das im Augenblick nicht überprüfen, habe kein Pontifikale zur Hand, aber es heißt doch: "Accipe potestatem...."
@Oenipontanus wird diesen Kleinkram nicht nachvollziehen wollen, was ich ihm gut und gerne nachempfinden kann. Man kann den Tutiorismus auch auf die Spitze treiben. Ich glaube nicht, daß man im Altertum so "zimperlich" war, wie die "modernen" Kasuisten, die nun auch schon wieder Jahrzehnte tot sind. - Wo bliebe die Sichtbarkeit der Kirche, wenn es im Altertum schon ungültige Bischofsweihen gegeben hätte, von denen man gar nicht wußte, daß sie ungültig waren? woher bekommt man heute eine gültige Sukzession?
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Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Einstellung und bin Ihnen dankbar, von Ihnen gelernt zu haben - auch, wenn ich manches (noch) nicht ganz nachvollziehen kann.

Maximilian Schmitt

@Bethlehem 2014 ; Mein Lieber, Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ich habe ja selbst irgendwann meine Meinung geändert. Aber ich verstehe nicht Ihre Fixierung auf diese blöden Handschuhe. Es geht doch beim Sakrament um ein wirksames Zeichen. Und die Zeichenhaftigkeit einer Handauflegung zu einer Weihe ist gewährleistet, auch wenn Handschuhe getragen werden. Und selbst wenn es nicht um Symbolik ginge: Wenn ich einen Arbeitshandschuh trage und einen Schalter umlege, wurde dann die Handlung physisch durch den Handschuh verunmöglicht, wenn sie doch statgefunden hat? Eine Mutter, die draußen im Winter ihrem Kind den Kopf streichelt, soll es dann physisch nicht getan haben? Wenn ich Sie umarme und einen Anorak trage, soll die Umarmung physisch nicht stattgefunden haben? Die Symbolik richtet sich nach dem Sakrament. So muß bei der Firmung die Salbung auf der Stirn des Firmanden mit dem nackten Daumen aufgetragen werden, aber bei der Letzten Ölung kann man bei hoher Ansteckungsgefahr einen Pinsel nehmen, weil man ja eine Arznei auch mit einem Löffel oder Pinsel verabreichen kann. Und die Letzte Ölung ist eine symbolische Arznei, also darf sie auch so gespendet werden. - Zum Tutiorismus: Im Altertum war der Kern der Sakramente deswegen so einfach, weil man sie sol leicht schützen und überliefern konnte. Zudem hatten die Apostel und ihre unmittelbaren Nachfolger das Charisma der Hieroinspektion und konnten sehen, ob eine Taufe, Firmung oder Weihe tatsächlich stattgefunden hatte.

Bethlehem 2014

@Maximilian Schmitt Ich hatte meinen Dozenten damals extra nach den Handschuhen gefragt - und er meinte, die hätten ja kleine Löcher, da ginge die Weihegnade schon irgendwie durch. - Er erzählte mir daraufhin, daß eine Weihe bis zu einem Meter Abstand gültig sei; das habe ich noch so in Erinnerung - auch noch nach Jahrzehnten.
Ich halte also eine Weihe mit "Weihehandschuh" tatächlich für gültig!!! - aus den von Ihnen beschriebenen Vergleichen.
Bei der Taufe hingegen muß das Wasser über die nackte Haut fließen; Haare reichen nicht - und wenn ein Baby eingeölt ist muß man das Öl erst abwischen, damit wirklich physischer Kontakt zwischen Taufwasser und lebender Materie entsteht. - Deshalb mein Insistieren auf den Pontifikalhandschuhen / direktem physischem Kontakt.
Frage: dürfte man einem ansteckenden Kranken die Firmung mit einem Pinsel und mit Handauflegung unter Abstand spenden?

Maximilian Schmitt

@Bethlehem 2014 Jedes Sakrament hat seine eigene Symbolik. Bei der Taufe, wo ursprünglich die Symbolik des Bades und der Waschung des ganzen Leibes entscheidend war, soll wenigstens das edelste Teil, also sie Stirn, bzw. der Kopf gewaschen werden, weil ja da auch unser Denkvermögen und das Zentrum der Selbstwahrnehmung dort seinen Sitz hat. Die Symbolik des Waschens von Haaren wäre zu äußerlich. Bei der Firmung ist der Gebrauch des Pinsels nicht gestattet, weil die Symbolik nicht die der Arznei ist.

Maximilian Schmitt

Nein, ich habe keine Glaskugel! Eigentlich schade!

3 weitere Kommentare von Maximilian Schmitt
Maximilian Schmitt

Die Hieroinspektion ist notwendiger Teil der persönlichen Unfehlbarkeit der Apostel, die sie zwangsläufig haben mußten, weil sie sonst ja nicht ihrer Aufgabe hätten nachkommen können, da sie in alle Winde zerstreut waren.

Maximilian Schmitt

Ich habe das von einem spanischen Priester. Sie können diese Ansicht gerne als eine Sonderbarkeit spanischer Barocktheologen oder der Schule von Salamanca abtun, wenn Sie damit besser leben können.

Maximilian Schmitt

Das ist eine Projektion Ihrerseits. Wenn ich die Apostelbriefe lese und die Apostelgeschichte, dann kann ich mich des Eindrucks nicht entziehen, daß sich nicht nur Petrus, sondern auch der heilige Paulus persönlich als unfehlbar angesehen hat. Mindestens läßt seine Sprache keinen anderen Schluß zu. Aber da wir uns ja bei diesem Thema sowieso nicht einig werden, überlasse ich Ihnen das letzte Wort.

Bethlehem 2014

@Maximilian Schmitt "Bei der Firmung ist der Gebrauch des Pinsels nicht gestattet, weil die Symbolik nicht die der Arznei ist."
Ich dachte immer, alle Sakramente seien Arzneimittel - zum Heil der Seele!?!

Maximilian Schmitt

@Bethlehem 2014 Im allgemeinen und im besonderen ist halt ein Unterschied. Alle möglichen Sakramente haben eine heilende Wirkung auf die Seele, aber die Letzte Ölung hat speziell die Symbolik der Arznei, weswegen Sie ja auch unter Umständen von einer Todeskrankheit heilen kann, wenn es dem Heil der Seele nützt.