Labre

Sie durften die lebendigen Wundmale unseres Herrn zu sein zum Zeugnis Seiner Auferstehung von Kaplan A. Betschart

Mit der österlichen Frohbotschaft “Der Herr ist wahrhaft auferstanden, alleluja”, grüsst die Kirche am heutigen Festtag ihre Gläubigen.
Die Feier der Auferstehung unsres Herrn und Heilandes Jesus Christus ist das bedeutsamste Ereignis des ganzen Kirchenjahres. Deshalb wird Ostern seit frühester Zeit “DAS FEST DER FESTE” genannt. Es überstrahlt, wie der hl. Bischof Gregor von Nazianz sagt, alle anderen Feste so, wie der Glanz der Sonne die Sterne überstrahlt. Und nach dem hl. Papst Leo dem Grossen “erhalten durch Ostern alle andern Feste der Kirche Gottes ihre Weihe”.
Was bereis im altjüdischen Passahfest im Schlachten eines fehlerlosen Lammes eine dunkle, gleichnishafte Vorbedeutung hatte, wird in unserem Osterfest durch das Leiden und die Auferstehung des Herrn zur leuchtenden Wirklichkeit. So heisst es in der Osterpräfation, dass Christus

“in Wahrheit das Lamm ist, das hinweg nimmt die Sünden der Welt. Durch Sein Sterben hat Er unsern Tod vernichtet und durch Seine Auferstehung uns neues Leben erworben”.

Welch herrliche und kostbare Wahrheit: wirkliche Erlösung von Sünde und ewigem Tod durch das Geschenk neuen und ewigen Lebens, dessen Geber Gott selber ist! Deshalb lässt uns die Kirche immer wieder im Glaubensbekenntnis voll Dankbarkeit beten:

“Ich glaube an Jesus Christus, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten.

Dieses Bekenntnis ist die Mitte und zugleich das Fundament unseres Glaubens.

Die Hl. Schrift über die Auferstehung Jesu

Was sagt denn die Hl. Schrift über die Auferstehung Jesu und Seine Erscheinungen? Die Berichte der vier Evangelisten und des hl. Apostels Paulus kurz zusammenfassend, lässt sich folgendes sagen:
1. Das mit einem schweren Stein verschlossene und versiegelte Grab, in das man den Leichnam Jesu legte, war am ersten Tag der Woche leer.
2. Die Apostel und mehrere hundert Personen haben Jesus nach dessen Tod lebend gesehen.
3. Jesus war trotz Seines verklärten Zustandes kein Geist. Er sprach mit den Aposteln. Er liess sich berühren zum Beweis dafür, dass Er Fleisch und Knochen habe. Vor den Augen der Apostel ass Er Fisch und Honig.
4. Die Apostel und die Jünger sahen denselben Körper, der gekreuzigt worden war. Sie konnten nämlich die Wundmale sehen und berühren.
Die Evangelisten und der hl. Apostel Paulus berichten klar und eindeutig: Jesus ist von den Toten auferstanden und lebt. Wir sind Zeugen für dieses Geschehnis.
Ihr Zeugnis ist ebenso glaubwürdig wie dasjenige zeitgenössischer Berichterstatter, die uns andere geschichtliche Ereignisse überliefern. Treffend sagt der Historiker Gförer, der gerade wegen des genauen Studiums der biblischen Quellen zum Glauben kam:

“Nehme ich diese Zeugnisse (über die Auferstehung) nicht einfach an, so habe ich kein Recht, irgendwelche Geschichtstatsachen des Altertums als hinreichend verbürgt anzusehen. Denn keine kann sich, was Vollgültigkeit der Zeugnisse betrifft, mit der Auferstehung Jesu messen.”

Zugegeben: Die Evangelien bezeugen etwas Einmaliges und Wunderbares. Aber für einen vernunftbegabten, denkenden Menschen kann und darf dies noch kein Grund sein, deswegen alles abzulehnen. Besteht nicht oft der Grund der Ablehnung darin, dass man die Konsequenzen für sein Leben fürchtet, die der ganze Glaube an Jesus Christus fordert? Wie in anderen Lebenssituationen, die eine klare Entscheidung fordern, weichen auch hier viele Menschen aus.

Die Auferstehung Jesu und wir

Wer die Frohbotschaft von der Auferstehung des Herrn nicht bloss zur Kenntnis nimmt, sondern sich ihr stellt, weiss, dass sie unser Leben verändert. Und nur der hat die Auferstehung Jesu wirklich vernommen und begriffen, dessen Leben von Tag zu Tag Christus ähnlicher wird. Christi Auferstehung muss sich immer wieder in den Herzen der Gläubigen vollziehen. Das weise Wort von Angelus Silesius: “Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bliebest ewiglich verloren”, gilt ebensosehr vom österlichen Sieg des Herrn. Wäre nämlich Christus tausendmal für uns von den Toten auferstanden, siegend über Sünde und Tod, wir aber verblieben im dunklen Grab unserer Sünde, es nützte uns nichts. Auferstehung muss sich in unseren Herzen vollziehen.
Sie vollzieht sich z. B. dort, wo ein Mensch aus seiner Gleichgültigkeit, aus seiner Gottferne zurückkommt, vielleicht zerschunden und zerlumpt wie der verlorene Sohn, aber voll ehrlicher Reue:

“Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor Dir. Ich bin nicht mehr wert, Dein Sohn zu heissen” (Lk 15,18 f.).

Hier vollzieht sich Auferstehung im schönsten Sinne des Wortes.
Oder wenn einer das schönste Ostergeschenk des Herrn annimmt, das Sakrament der hl. Beichte, um wieder ein neues Leben vor Gott und den Mitmenschen zu beginnen, da ist Christus wahrhaftig in ihm auferstanden.
Oder wenn jemand aus der kleinlichen Enge seiner Selbstsucht und Ichverfangenheit ausbricht, worin er sich vergraben hatte, da ist Christus auferstanden. Und wenn ein Mensch sogar beginnt, den unförmigen Grabstein seines Hasses und seiner Rachsucht wegzuräumen, mit dem sein Herz zugemauert ist, und es gelingt ihm, die Hand zur Versöhnung auszustrecken, dann ist dies ein Aufleuchten des Ostersieges im herrlichsten Glanz.
Aber auch dort strahlt die Herrlichkeit des Auferstehungsmorgens in unsere dunkle Zeit hinein, wo Menschen ihren Glauben gegen alle Verführung und Gewalt Tag für Tag in lauterster Treue leben, in aller Schlichtheit und Einfachheit ihres Herzens. Und wenn solche Menschen bereit sind, für ihren Glauben selbst das Leben hinzugeben, dann ist dies sieghafteste Auferstehung.

“Die Osterkerze”

Dies soll zum Schluss eine Erzählung veranschaulichen, die den Titel trägt: “Die Osterkerze.” Die Erzählung schildert uns das Schicksal einer katholischen Familie in China zu Beginn der Christenverfolgung durch die Kommunisten. Wang-Pei, Besitzer der grossen Baumwollspinnerei in Chung-Mo, hatte seine vier erwachsenen Söhne zu sich gerufen, um ihnen mitzuteilen, dass er trotz Verbotes gedenke, heimlich die Auferstehungsfeier des Karsamstages um Mitternacht für die treuen Christen in seiner Fabrik durchzuführen. Der Vater und die Söhne waren sich bewusst, dass dieses Unternehmen für sie den Tod bringen konnte. Trotzdem übernahm jeder der vier Söhne die ihm vom Vater zugeteilte Aufgabe mit Stolz und Freude. Wang-Pei kam in den folgenden Tagen mit keinem Wort mehr auf die Besprechung zurück. Er wusste, dass er sich auf seine Söhne verlassen konnte.
Erst am Karsamstagabend nahm er sie beiseite, um in Erfahrung zu bringen, ob die Vorbereitungen geglückt waren. Der Jüngste berichtete freudestrahlend, dass er für die Feier der Zeremonien einen Priester, den deutschen P. Franziskus, gefunden habe, der versteckt bei christlichen Bauern lebte. Auch die Notkapelle war bereit und festlich geschmückt. Die glaubenstreuen Christen waren alle eingeladen worden. Nur eine Kleinigkeit fehlte: die Weihrauchkörner, in rotes Wachs gepresst, zum Schmucke der Osterkerze, die fünf Wunden des Herrn versinnbildend. Es war zu gefährlich gewesen, bei Händlern danach zu fragen.
Um Mitternacht huschten die Christen, einzeln oder in kleinen Gruppen, über den dunklen Fabrikhof der Mauer entlang zur Notkapelle. Erkennungsgruss war das österliche Alleluja, das aber erst in der Notkapelle zu vollem Jubel aufklang, als die Gläubigen P. Franziskus vor dem Altare stehen sahen, angetan mit echten priesterlichen Gewändern. Gott mochte wissen, woher sie der älteste Sohn beschafft hatte. Bei dichtverhangenen Fenstern und bewachten Zugängen begann die heilige Liturgie der Osternacht. Als der Priester das jubelnde “Exsultet” anstimmte, diesen herrlichen Triumphgesang der streitenden Kirche auf Erden, der so mächtig hallt, als schwinge in ihm der vorausgenommene Sieg der Endzeit, standen Freudentränen in den Augen von Wang-Pei. Seine vier Söhne reckten sich höher in den Schultern über die geglückte Feier. Es war nur ein geringer Schmerz, dass das Einfügen der fünf Weihrauchkörner in die Osterkerze beim Gottesdienst unterbleiben musste.
Der Freudengesang der Gläubigen klang heute nacht jubelnder als in der Zeit, da sie ohne Gefahr und öffentlich Gott preisen durften. Unter dem spürbaren Schutze Gottes nahm die Feier der Osternacht ihren Fortgang. Sie fand ihren Höhepunkt im Hl. Messopfer mit der gemeinsamen Osterkommunion der Gläubigen. Unwillkürlich liessen die Christen von Chung-Mo ihrem Wohltäter Wang-Pei und seinen vier Söhnen den Vortritt an der Kommunionbank. Niemand von ihnen ahnte, dass man sie das letzte Mal sah.
Als P. Franziskus nach schwerer Kerkerhaft ausgewiesen wurde, erzählte er in Deutschland die ergreifende Geschichte von Wang-Pei und seinen vier Söhnen, die am Ostermorgen nach jener Feier verhaftet und im Fabrikhof erschossen wurden. “Erst schien es”, so berichtete Pater Franziskus, “als habe Wang-Pei selbst zu der Feier nicht viel beigetragen, da er alles seinen Söhnen überliess. In seinem freudigen Sterben erkannten wir aber, dass er mit dieser Möglichkeit gerechnet hatte. So wurden sie miteinander die lebendigen Wundmale der Osterkerze unseres Herrn.”

Beten wir doch täglich für die Martyrer und Bekenner unserer Tage, von denen Gott ein viel grösseres Zeugnisgeben für den Glauben verlangt als von uns. Und sollten auch wir einmal dazu auserwählt werden, die lebendigen Wundmale unseres Herrn zu sein zum Zeugnis Seiner Auferstehung, dann dürfen wir die selige Sicherheit des hl. Martyrers und Apostels Paulus haben,

“dass wir in allem Sieger sind durch Den, Der uns geliebt hat, ... und dass weder Tod noch Leben, weder Mächte und Gewalten, weder Gegenwärtiges und Zukünftiges, ... noch irgendein Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn” (Röm 8,37 f.).

Quellenhinweis:

- Braun S., Radiopredigten I. Bd., Innsbruck-Wien-München 1947
- Graber R., Liebe lässt nicht schweigen, Regensburg 1973
- Bild: Rogier van der Weyden, Miraflores Altarpiece
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HerzMariae

Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine,
Die ich nun weiter nicht beweine, Ruht wohl und bringt auch mich zur Ruh! Das Grab, so euch bestimmet ist Und ferner keine Not umschließt, Macht mir den Himmel auf und schließt die Hölle zu. Ach Herr, laß dein lieb Engelein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schoß tragen, Den Leib in seim Schlafkämmerlein Gar sanft ohn' ein'ge Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage! Alsdenn vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland und Gnadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich!